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Interview

Klarna: "Wir haben ein Shopping-Ökosystem geschaffen"

Der digitale Wandel verändert die Finanzbranche. Welche Trends zeichnen sich ab? Wird Bargeld bald abgeschafft sein?
Herr Bueninck, Digitalisierung im Bankensektor wird nicht selten auf Mobile-Banking und Online-Payment reduziert. Eine sexy Website mit cooler App und fertig ist die Digitalisierung. Ist dem so?

Robert Bueninck: Im Zentrum der Digitalisierung des Bankensektors stehen nicht Produkte wie Websites und Apps, sondern die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer. Erfolgreiche, digitale Geschäftsmodelle im Bankensektor haben eines gemeinsam, nämlich dass sie Prozesse für Nutzer vereinfachen und damit ein besseres Angebot schaffen, als es vielleicht traditionelle Angebote tun.

Die Digitalisierung im Bankensektor umfasst aber noch weitere Themen, die über die Konsumentenebene hinausgehen. Hier möchte ich beispielhaft das Thema Open Banking nennen, das die Finanzindustrie im Zuge der PSD2 stark beeinflussen wird. Welche Rolle werden Daten von Bankkunden in Zukunft auch für Drittanbieter spielen und welche Geschäftsmodelle werden daraus entstehen? Das ist eine der zentralen Fragen der nächsten Jahre.

Kann Deutschland hier mithalten? Schließlich haben hiesige Banken im internationalen Vergleich in puncto digitaler Transformation noch starken Aufholbedarf.

Bueninck: In Deutschland vollzieht sich in den letzten Jahren ein spürbarer Wandel in der Finanzindustrie. Insbesondere junge Start-ups kommen mit spannenden Angeboten auf den Markt und besetzen erfolgreich Nischen, in denen sich bisher große Banken völlig alleine tummelten. Schaut man sich die Finanzierungssummen an, die Fintechs in den vergangenen Jahren einsammeln konnten, so ist eine extreme Dynamik in dieser Industrie spürbar.

Wenn wir aber auf Deutschland schauen, müssen wir gleichzeitig auf Europa blicken. In vielen europäischen Ländern existieren neue, starke Unternehmen, die international agieren und zum Teil schon an die Börse gegangen sind. Auch der traditionelle Bankensektor ist von diesen Marktveränderungen betroffen und handelt. Es wird spannend sein, die Entwicklung im Einzelnen weiter zu beobachten.


Was würden Sie klassischen Banken raten, um mit den Fintechs mithalten zu können?

Bueninck: Die zentralen Herausforderungen, sowohl für Fintechs als auch für etablierte Banken, wird darin bestehen, den Nutzer mit seinen Bedürfnissen in den Fokus zu stellen und seine Produkte danach auszurichten. Kunden erwarten heute, dass Finanzunternehmen transparent sind und beispielsweise Gebühren und Fristen klar kommunizieren.

Auch Technologie spielt eine zentrale Rolle. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen neue Technologien Einzug in die Produktentwicklung halten. Das erfordert zwar Investitionen, langfristig erspart man sich jedoch operative Kosten. Dieser Wettbewerb kann am Ende nur gewonnen werden, wenn Unternehmen das entsprechende Talent aus IT- und Produktexperten für sich gewinnen können und offen für Kooperationen mit neuen und alten Playern sind.

Revolutionieren sich die Definition von Geld und vor allem der Umgang damit? In Schweden ist bereits die E-Krone als Kryptowährung in Planung. Brauchen wir Bargeld noch?

Bueninck: Mobile und bargeldlose Bezahlmöglichkeiten sind weltweit auf dem Vormarsch, trotzdem sind die Bezahlmethoden von Land zu Land unterschiedlich. Das zeigt sich allein schon, wenn man auf Europa blickt. Während in Schweden Zahlungen mit Bargeld Seltenheitswert haben, ist gerade in Deutschland das Bargeld noch fester Bestandteil des Alltags. Was alle Märkte eint, ist das Bedürfnis nach bequemen Zahlmöglichkeiten und gerade in diesem Aspekt bieten digitale, bargeldlose Bezahlmöglichkeiten das größte Potential für die Zukunft.

Lassen Sie uns auch in die Glaskugel der digitalen Zahlungsmethoden schauen. Was wird hier Neues auf Verbraucher zukommen?

Bueninck: Insgesamt wird es sich dahingehend entwickeln, dass das Bezahlen selbst immer unmittelbarer und einfacher stattfinden wird. Hier wird es spannend sein, die Convenience der Bezahlungen mit der Übersicht über die Finanzen für den Kunden in Einklang zu bringen.

Klarna ist grundsätzlich eine Bank im klassischen Sinn, gehört aber ebenso der Zahlungsverkehrsbranche an. Wie würden Sie in eigenen Worten Ihr Geschäftsmodell beschreiben?

Bueninck: Klarna entwickelt sich in eine Plattform, die ein umfangreiches Produkt- und Leistungsportfolio für Verbraucher wie Händler anbietet. Wir haben ein Shopping-Ökosystem geschaffen, das unseren Kunden, überall dort, wo sie Zahlungen tätigen, eine bargeldlose Klarna-Option anbietet – online, wie an der physischen Ladenkasse. Erst kürzlich haben wir beispielsweise die Klarna Card gestartet, die auch mittels Apple Pay und Google Pay nutzbar ist. Darüber hinaus haben wir mit der Open Banking Plattform, unserer Authentifizierungsplattform und dem Klarna Händlerkredit neue Angebote im B2B-Bereich geschaffen.

Zum Schluss ein Schulterblick: Mit welchen neuen Angeboten können Kunden bei Klarna zukünftig rechnen?

Bueninck: Wir arbeiten stetig an neuen Angeboten sowohl für Endkonsumenten als auch für Händler. Unser Produkt- und Dienstleistungsangebot wird sich ständig weiterentwickeln, den Eintritt in neue Märkte evaluieren und auf aktuellen Märkten weiter wachsen– kurz gesagt, es gibt viel zu tun!

Herr Bueninck, vielen Dank für das Gespräch.
von Kerstin Weinzierl
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