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Buy-and-Hold

Was Anleger von Warren Buffett lernen können

Von Warren Buffett lernen heißt siegen lernen: Die Aktie seines Unternehmens Berkshire Hathaway hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Damit straft der Starinvestor seine Kritiker Lügen, dass die Buy-and-Hold-Strategie nicht mehr zeitgemäß ist.
Mit den grundlegenden Strategien der Geldanlage ist es so wie mit den Botschaften der Bibel: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Das ist schlicht und wahr. Und reinigt das Karma beim Streit um die Parklücke. Schlicht und wahr ist auch Kostolanys Tipp: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich."

Das ist Buy-and-Hold. Es ist simpel, aber nicht einfach, wie Warren Buffett sagt. Der erfolgreichste Investor der Welt bezeichnet sich als radikalen Buy-and-Hold-Anleger. Seine bevorzugte Haltedauer: "für immer". Diese Strategie ist deshalb nicht "einfach", weil es auf und ab geht an der Börse und man ständig handeln möchte: kaufen und verkaufen. Sie ist dagegen "simpel", weil es langfristig bergauf geht.

Wie lang ist die Ewigkeit?

Wenn Buffet aber "immer" sagt oder wenn Jeremy Siegel seinen Klassiker "Aktien für die Ewigkeit" nennt, dann stellt sich die Frage: Wie lang ist die Ewigkeit? Bis zu meinem Tod? Muss ich meine Aktien vererben? Nein, natürlich nicht. Prinz Leonce erwidert in Georg Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" auf die Frage, ob er Rosetta "immer" lieben werde: "Das ist ein langes Wort: immer! Wenn ich dich nun noch fünftausend Jahre und sieben Monate liebe, ist's genug? Es ist zwar viel weniger als immer, ist aber doch eine erkleckliche Zeit, und wir können uns Zeit nehmen, uns zu lieben."

Langfristigkeit zahlt sich aus
Wie lange hält denn Buffetts Holding Berkshire Hathaway ihre Aktien? Durchschnittlich 20 Jahre. Das ist zwar keine Ewigkeit, aber um noch einmal Büchners Prinz Leonce zu zitieren, "doch eine erkleckliche Zeit". Da kann das Geld arbeiten. Biallo.de empfiehlt eine Mindestdauer von zehn bis 15 Jahren bei der Anlage in Wertpapieren. Spielt da der Brexit eine große Rolle? Oder die Wahl des amerikanischen Präsidenten? Nein. Solche Ereignisse bestimmen für kurze Zeit die Tagespresse und vielleicht auch die Kurse. Dann aber entfernen sie sich, werden kleiner und unschärfer und verschwinden schließlich in der Versenkung des Zen.

Diversifikation ist das A und O
Buy and Hold steht in einem Zusammenhang: mit der Diversifikation. Die Strategie geht davon aus, dass Aktien langfristig steigen. Einige tun das aber nicht. Das sind "faule Eier". Wenn Sie mit ETFs in marktbreite Indizes investieren, mit hunderten oder tausenden Unternehmen, dann kann Ihnen das gleichgültig sein. Der Index steigt auf Dauer. Haben Sie einzelne Aktien, dann streuen Sie. Diversifikation ist der einzige "freie Lunch" beim Investieren, sagt Nobelpreisträger Harry Markowitz, Begründer der Modernen Portfoliotheorie. Durch Streuung wird Ihr Portfolio robust gegen "faule Eier". Denn man legt nicht alle Eier in einen Korb.

Wenn Sie es anders machen wollen, müssen Sie spekulieren: auf kurzfristiges Auf und Ab der Unternehmen. Das ist wie im Casino - mal haben Sie Glück, mal Pech. Meistens allerdings Pech, und immer gewinnt die Bank. Sie kriegt die Gebühren vom Trader. Daher der Spruch: "Hin und her macht Taschen leer." Und der Staat kriegt die Steuern auf die Trades. Buy and Hold dagegen hat einen eingebauten Steuervorteil - den Stundungseffekt. Solange Sie die Aktien halten, arbeitet das Geld für Sie.

Hat Buy-and Hold ausgedient?
"Halten Sie Kurs - egal was passiert; bleiben Sie auf Ihrem Kurs. Ich habe es zehntausend Mal gesagt und jedes Mal gemeint. Es ist der wichtigste einzelne Investmentrat, den ich Ihnen geben kann." So zitiert der bekannte Finanzautor Gerd Kommer die Investorenlegende John Bogle, den "Erfinder der Indexfonds". Aber diese einfache Wahrheit wollen einige Stimmen nicht stehen lassen. Es kursieren viele Stimmen, die behaupten: Buy und Hold sei tot. Oder die Strategie passe gerade jetzt nicht. Oder diesmal sei wirklich alles anders als sonst.

Wenn man solche Stimmen hört, sollte man sich fragen, welche Interessen diese Kritiker haben. Die Finanzindustrie schenkt den Anlegern in diesem Punkt selten reinen Wein ein. Denn sie verdient an jedem Trade. Sie dagegen als Anleger bezahlen jedes Mal auch noch den Spread, also die Differenz zwischen Bid und Ask (dem Angebots- und Nachfragepreis). Ein unabhängiger Finanzexperte wie Gerd Kommer gehört dagegen zu den integren Stimmen, auf die Sie sich verlassen können.

"Buy and Hold macht weniger Arbeit, bringt mehr Seelenfrieden, hat höhere Nettorenditen -wegen geringerer Kosten und weniger Schaden von ungünstigem Performance Chasing. Buy and Hold hat bei Aktien einen Steuervorteil", sagt Kommer. So weit die Kurzfassung. Performance Chasing ist "Investieren im Rückspiegel". Dabei laufen Anleger Aktien hinterher, die in der Vergangenheit gestiegen sind. Dann ärgern sie sich, wenn die Papiere wieder fallen, und verkaufen.

Market-Timing beherrschen nur die wenigsten

Dieses Rein-Raus ist ineffektiv und nagt an der Rendite. Hier sollten sich Anleger lieber Buy-and-Hold-Investor Warren Buffett zum Vorbild nehmen. "Buy and Hold macht Sinn, weil Rein-Raus, also aktives Investieren, vor Kosten statistisch genauso häufig hilft, wie es schadet", erklärt Finanzfachmann Kommer. "Nach Kosten schadet Rein-Raus in mehr als der Hälfte der Fälle - wegen der hohen Kosten von Rein-Raus. Bei sehr langfristigen Beobachtungszeiträumen schadet es in mehr als 80 Prozent aller beobachteten Fälle. Aus anderen Gründen wissen wir, dass die anderen 20 Prozent vermutlich Zufall sind. Das Gegenteil von Rein-Raus ist Buy and Hold. Das ist alles."

Die wichtigen Wahrheiten sind schlicht. Kommer formuliert es so: "Siegel und Buffett sagen einfach nur, dass Rein-Raus unklug ist. Im Umkehrschluss heißt das, dass Buy and Hold klug ist."

Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, schrieb einmal, nichts auf der Welt sei sicher - außer dem Tod und den Steuern. Bei der Geldanlage stehen außerdem noch die Kosten fest. Die aber können Sie beeinflussen. Halten Sie sie niedrig. Mit Buy and Hold. In dieser Strategie laufen die drei grundlegenden Elemente des Aktien-Investments zusammen: langfristig investieren – breit streuen – auf die Kosten achten.
von Alexander Rudow
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